Pacing und Strategie beim Backyard Ultra
Beim Backyard Ultra gibt es kein klassisches Tempoziel. Es geht nicht darum, eine Strecke möglichst schnell zu bewältigen, sondern darum, möglichst lange im Rennen zu bleiben. Genau das macht die Herangehensweise so anders. Viele gehen an den Start und orientieren sich unbewusst an ihrem gewohnten Laufgefühl. Das funktioniert am Anfang oft noch, wird aber später zum Problem. Beim Backyard entscheidet nicht die Geschwindigkeit über deinen Erfolg, sondern wie gut du deine Energie über viele Stunden einteilst.
Warum klassisches Pacing hier nicht funktioniert
In einem normalen Rennen kannst du dich an einer Pace orientieren und versuchen, diese möglichst konstant zu halten. Beim Backyard Ultra hast du stattdessen ein festes Zeitfenster für jede Runde. Meist sind es 60 Minuten für eine Strecke von etwas mehr als sechs Kilometern. Das führt dazu, dass viele am Anfang zu schnell laufen. Sie kommen früh ins Ziel, haben viel Zeit übrig und fühlen sich gut. Kurzfristig wirkt das sinnvoll, langfristig kostet es unnötig Energie.
Denn jede Minute, die du schneller läufst als nötig, fehlt dir später.
Der richtige Ansatz: so langsam wie möglich, so schnell wie nötig
Eine der wichtigsten Erkenntnisse beim Backyard Ultra ist, dass es kein Ziel bringt, schneller zu laufen als erforderlich. Du musst die Runde nur innerhalb des Zeitlimits beenden, nicht deutlich darunter. In der Praxis bedeutet das: Du suchst dir ein Tempo, mit dem du entspannt durch die Runde kommst und am Ende noch ein kleines Zeitpolster hast. Nicht viel, aber genug, um kurz zu versorgen und dich vorzubereiten.
Dieses „kontrollierte Laufen“ fühlt sich am Anfang fast zu langsam an. Genau das ist meistens ein gutes Zeichen.
Die Bedeutung der Pausen
Der Backyard Ultra besteht nicht nur aus Laufen, sondern auch aus den kurzen Pausen zwischen den Runden. Diese Zeit wird oft unterschätzt.
Wenn du zu schnell läufst, hast du zwar mehr Pause, aber du bezahlst dafür mit höherer Belastung während der Runde. Wenn du zu langsam bist, wird die Pause zu kurz und du kommst unter Stress. Ziel ist ein Rhythmus, der sich über Stunden halten lässt. Ein paar Minuten Pause reichen in der Regel aus, um zu trinken, etwas zu essen und kurz durchzuatmen.
Mit der Zeit merkst du, wie wichtig diese Routine wird. Jeder Handgriff sollte sitzen, damit du keine Energie verschwendest.
Gehpausen als Strategie
Ein Punkt, der vielen schwerfällt: Gehen ist erlaubt und oft sinnvoll. Gerade am Anfang neigen viele dazu, alles durchzulaufen. Das kostet Kraft, die du später dringend brauchst. Gezielte Gehpassagen, zum Beispiel an leichten Anstiegen oder zwischendurch zur Entlastung, können dir helfen, länger stabil zu bleiben.
Das hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern ist Teil der Strategie.
Konstanz schlägt Ehrgeiz
Ein häufiger Fehler ist, sich von anderen mitziehen zu lassen. Gerade in den ersten Stunden wirkt das Tempo der Gruppe oft locker, und man läuft automatisch etwas schneller als geplant. Das Problem zeigt sich erst später. Kleine Abweichungen summieren sich, und irgendwann fehlt die Energie. Beim Backyard Ultra gewinnst du nicht durch einzelne schnelle Runden, sondern durch gleichmäßige, kontrollierte Leistung über lange Zeit. Wer ruhig bleibt und seinen Rhythmus hält, hat am Ende die besseren Chancen.
Mentale Strategie
Mit zunehmender Dauer wird der Kopf wichtiger als die Beine. Die Struktur des Rennens hilft dabei, weil du immer nur an die nächste Runde denken musst. Statt dich mit der Gesamtzeit oder möglichen Distanzen zu beschäftigen, fokussierst du dich auf den nächsten Start. Eine Runde nach der anderen.
Dieses Denken in kleinen Abschnitten macht das Rennen überschaubar und hilft dir, auch in schwierigen Phasen weiterzumachen.
Wie du es für dich angehst
Wenn du deinen ersten Backyard planst, geh konservativ rein. Wähle ein Tempo, das sich fast zu einfach anfühlt, und beobachte, wie dein Körper darauf reagiert. Teste im Training, wie sich verschiedene Geschwindigkeiten und Pausen anfühlen. Je klarer dein Ablauf ist, desto weniger musst du im Rennen überlegen.
Wenn du verstehen willst, wie das Format insgesamt aufgebaut ist und worauf es noch ankommt, findest du hier den Einstieg:
