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Back-to-back Long Runs: Warum und wie du sie für deinen ersten Ultra nutzt

Du wachst am Sonntagmorgen auf. Die Beine sind schwer wie Blei vom langen 30-Kilometer-Lauf gestern, die Treppe hinab zur Kaffeemaschine ist eine Qual. Jeder normale Straßenläufer würde sich jetzt mit der Faszienrolle auf die Couch legen. Du nicht. Du ziehst dir die Laufschuhe wieder an und gehst noch einmal für drei Stunden auf den Trail. Willkommen in der Welt der Back-to-back Long Runs. Erfahre hier ohne theoretisches Blabla, warum diese harte Methode die absolute Geheimwaffe für deinen ersten Ultra ist und wie du sie richtig anwendest, ohne dich ins Übertraining zu schießen.

Wenn du für einen Straßenmarathon trainierst, gipfelt dein Plan meist in zwei bis drei langen Läufen über 32 bis 35 Kilometer. Damit bereitest du deinen Körper perfekt auf die 42-Kilometer-Distanz vor. Wenn dein Ziel aber 80 oder 100 Kilometer auf dem Trail sind, reicht dieser eine lange Lauf am Wochenende schlichtweg nicht mehr aus.

Jetzt könntest du natürlich im Training einfach mal 60 Kilometer am Stück laufen. Das Problem: Die Verletzungsgefahr und die Regenerationszeit nach einem solch extremen Trainingslauf sind so gewaltig, dass sie dein gesamtes restliches Training für Wochen ruinieren. Die clevere und sicherere Lösung aus der Coaching-Praxis lautet: Back-to-back (B2B).

Was B2B bedeutet und warum es besser ist als ein extremer Lauf

Bei einem Back-to-back-Training absolvierst du an zwei aufeinanderfolgenden Tagen (meistens Samstag und Sonntag) jeweils einen langen Lauf. Du spaltest also das Volumen auf.

Der unglaubliche physiologische Vorteil dieser Methode: Am zweiten Tag startest du bereits mit vorermüdeten Beinen und stark geleerten Glykogenspeichern. Dein Körper wird vom ersten Schritt an gezwungen, Fett als primäre Energiequelle zu nutzen und muskuläre Ermüdung zu tolerieren. Du simulierst auf diese Weise am Sonntagmorgen exakt das körperliche Gefühl, das du beim Ultra ab Kilometer 50 haben wirst – aber mit einem deutlich geringeren Verletzungsrisiko für deine Gelenke und Sehnen, weil du zwischendurch geschlafen und gegessen hast.

Mentales Training: Die Kunst, müde loszulaufen

Neben dem körperlichen Aspekt ist B2B in erster Linie ein mentales Bootcamp. Der schwerste Moment bei einem Ultramarathon ist oft das tiefe Loch in der zweiten Rennhälfte, wenn alles wehtut und der Kopf dir einreden will, dass du keinen Schritt mehr machen kannst.

„Wer sonntags mit Muskelkater und schwerem Kopf die Schuhe schnürt und trotzdem 20 Kilometer läuft, der steigt im Wettkampf bei Kilometer 60 nicht so schnell aus.“

Du trainierst deinen Verstand darauf, dass Schmerz und Ermüdung nicht das Ende bedeuten. Du lernst, dass dein Körper auch dann noch stundenlang funktionieren kann, wenn er sich anfänglich komplett kaputt anfühlt. Dieses Wissen ist auf dem Trail später unbezahlbar.

Wie du B2B-Läufe richtig in den Trainingsplan einbaust

Du startest nicht am ersten Wochenende deines Plans direkt mit zwei Mammut-Läufen. B2B ist eine extreme Belastung und muss behutsam aufgebaut werden. In der Praxis hat sich die Aufteilung in einen „Primary Run“ (Tag 1) und einen „Secondary Run“ (Tag 2) bewährt. Der erste Tag ist deutlich länger, der zweite Tag kürzer, aber aufgrund der Vorermüdung oft härter.

Ein typischer Aufbau über mehrere Wochen könnte so aussehen:

Einstieg Woche: Samstag 20 km / Sonntag 10 km
Aufbau Woche: Samstag 25 km / Sonntag 15 km
Peak Woche (ca. 3-4 Wochen vor dem Rennen): Samstag 35 km / Sonntag 20 km

Wichtig: Du machst diese B2B-Blöcke nicht an jedem Wochenende! Sie sind enorm fordernd. Baue sie gezielt alle drei Wochen in deine Trainingsblöcke ein und lass dazwischen genügend Raum für echte Erholung.

Die größten Fehler beim Back-to-back Training

Diese Methode ist ein scharfes Schwert. Wenn du es falsch anfasst, schneidest du dich selbst. Vermeide unbedingt diese typischen Anfängerfehler:

  • Zu schnelles Pacing an Tag 1: Wenn du den Samstagslauf wie ein Rennen läufst und dich komplett abschießt, hat der Sonntag keinen Trainingseffekt mehr – er wird zum reinen Verletzungsrisiko. Beide Läufe müssen zwingend in der aeroben Zone (Zone 1 und 2) stattfinden.
  • Ernährung zwischen den Läufen vernachlässigen: Die Zeit zwischen dem Ende von Lauf 1 und dem Start von Lauf 2 ist entscheidend. Wer hier nicht massiv Kohlenhydrate und Proteine nachfüllt, torpediert seine Regeneration und sein Immunsystem.
  • Echten Schmerz ignorieren: Es ist völlig normal, dass am Sonntag die Muskeln brennen und sich alles steif anfühlt. Wenn du aber einen akuten, stechenden Schmerz im Knie oder der Achillessehne spürst, wird der Sonntagslauf sofort abgebrochen. B2B trainiert Ermüdung, keine Verletzungen.

Checkliste für dein B2B-Wochenende

  • Beide Läufe strikt im ruhigen, aeroben Tempo absolvieren.
  • Den längeren Lauf in der Regel auf Tag 1 legen, den kürzeren auf Tag 2.
  • Direkt nach Lauf 1 sofort Kalorien zuführen und aktiv regenerieren (Beine hoch!).
  • B2B-Blöcke nicht jedes Wochenende machen, sondern gezielt als Belastungsspitzen einsetzen.
  • Den Sonntagslauf nutzen, um die Rennausrüstung (Pflichtgepäck, Weste, Schuhe) im ermüdeten Zustand zu testen.

Passend dazu: Back-to-back Läufe trainieren dich genau für die Phasen im Rennen, in denen der Kopf aufgeben will. Lies dir unbedingt durch, wie du im Ernstfall reagierst: [Die kritischen Kilometer: Wo es bei Ultras hart wird]

Jetzt bist du dran!

Hast du schon einmal einen echten B2B-Block trainiert? Was war für dich das Schlimmste – die schweren Beine am zweiten Tag oder der mentale Kampf, überhaupt erst die Schuhe wieder zu binden?

Teile deine Erfahrungen und Leiden mit uns in den Kommentaren!

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