Gewicht sparen: Was kannst du am Berg wirklich weglassen?
Wer schon einmal nach 40 Kilometern einen steilen Anstieg vor sich hatte, weiß: Jedes Gramm auf dem Rücken fühlt sich plötzlich an wie ein Kilo. Die Versuchung ist riesig, den Rucksack vor dem Lauf noch einmal auszuleeren und Dinge radikal wegzulassen. „Leicht und schnell“ ist schließlich das Mantra vieler Trailrunner.
Doch am Berg verläuft der schmale Grat zwischen „angenehm leicht“ und „grob fahrlässig“ extrem schnell. Das Wetter kann in Minuten umschlagen, und ein harmloser Umknicker zwingt dich plötzlich zu einer stundenlangen, eiskalten Gehpause. Lass uns gemeinsam schauen, wo du clever Gewicht einsparen kannst – und wo du absolut keine Kompromisse machen darfst.
Pflichtausrüstung ist Pflicht
Damit wir uns gleich zu Beginn absolut richtig verstehen: Was bei einem Wettkampf auf der Liste der Pflichtausrüstung steht, wird eingepackt. Punkt. Es gibt hier keinen Spielraum und kein wenn und aber.
Rennveranstalter setzen diese Listen nicht aus Schikane zusammen, sondern aus jahrelanger, teils bitterer Erfahrung mit alpinen Notfällen. Wenn eine wasserdichte Jacke mit 10.000er Wassersäule, eine Rettungsdecke oder eine lange Hose gefordert sind, dann wandern diese Dinge in deinen Rucksack – auch wenn am Startpunkt bei strahlendem Sonnenschein 25 Grad herrschen. Deine Sicherheit und deine Gesundheit haben immer oberste Priorität.
Optimieren statt weglassen
Der eigentliche Trick beim Gewichtsparen liegt nicht darin, wichtige Dinge zu Hause zu lassen, sondern sie durch leichtere Alternativen zu ersetzen. Genau hier trennt sich bei der Ausrüstung die Spreu vom Weizen.
- Die Regenjacke: Eine klassische Wander-Regenjacke wiegt oft 400 bis 500 Gramm und nimmt den halben Rucksack ein. Eine hochtechnische, trail-spezifische Regenjacke wiegt heute teilweise unter 150 Gramm und lässt sich auf die Größe eines Apfels komprimieren.
- Die Stöcke: Wenn du noch mit schweren Aluminium-Trekkingstöcken läufst, ist der Wechsel auf faltbare Carbon-Stöcke (Z-Poles) eine Offenbarung. Du sparst massiv Gewicht in den Händen und am Rucksack.
- Die Stirnlampe: Für Läufe, die nur in die erste Stunde der Dämmerung ragen, brauchst du keinen schweren Flutlicht-Strahler mit riesigem Akkupack am Hinterkopf. Eine ultraleichte Notfall-Lampe reicht hier völlig.
Wasser-Management
Viele meiner Athleten neigen dazu, aus purer Unsicherheit viel zu viel Wasser mitzuschleppen. 1,5 Liter Wasser wiegen exakt 1,5 Kilogramm. Wenn du auf deiner Hausrunde läufst oder beim Wettkampf genau weißt, dass die nächste top ausgestattete Verpflegungsstation in nur 8 Kilometern (ca. 1 bis 1,5 Stunden) kommt, brauchst du keine pralle Zwei-Liter-Trinkblase auf dem Rücken.
Die Lösung: Plane deine Route! Nutze zwei 500ml-Softflasks und fülle sie an den Stationen oder an sicheren Brunnen gezielt nach. So trägst du immer nur das Wasser, das du für den nächsten Abschnitt auch wirklich brauchst.
Das Erste-Hilfe-Set
Auch hier gilt: Nicht weglassen, sondern verschlanken! Du brauchst auf dem Trail keine dicke Verbandsschere, keine riesigen Mullbinden und keine Familienpackung Pflaster aus dem Auto-Verbandskasten.
Was wirklich mit muss: Ein paar Blasenpflaster, zwei bis drei sterile Wundpflaster, eine kleine Mullbinde, ein paar Schmerztabletten und – ganz wichtig – eine leichte Rettungsdecke (oft nur 50 Gramm schwer, rettet aber bei einem Temperatursturz Leben). Verpacke das Ganze in einem winzigen Zip-Beutel, drücke die Luft heraus und verstaue es wasserdicht.
Mein Fazit für dich
Gewicht sparen am Berg ist ein Prozess. Starte am Anfang lieber mit einem Gramm zu viel Sicherheit auf dem Rücken. Je mehr Erfahrung du in technischem Gelände und mit deinem eigenen Körper sammelst, desto genauer wirst du wissen, auf welches Equipment du wirklich verzichten kannst.
Investiere lieber gezielt in ein paar hochwertige, ultraleichte Schlüssel-Ausrüstungsteile, anstatt aus falschem Ehrgeiz auf deine Sicherheitspuffer zu verzichten. Ein entspannter, sicherer Lauf ist am Ende immer mehr wert als ein Rucksack, der 200 Gramm leichter ist.
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