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Ausrüstung und Logistik beim Backyard Ultra: Wie du deine Base zum perfekten Lager machst

Beim normalen Ultra packst du deine Trinkweste und läufst los. Beim Backyard Ultra ist das anders. Du hast eine Base – einen festen Punkt zu dem du jede Stunde zurückkommst. Das ist ein riesiger Vorteil gegenüber anderen Formaten, aber nur wenn du ihn richtig nutzt. Eine gut organisierte Base kann dir pro Runde 2–3 Minuten sparen, Blasen verhindern bevor sie entstehen und in der Nacht den entscheidenden Unterschied machen. Eine schlecht organisierte Base kostet dich Zeit, Nerven und im schlimmsten Fall das Rennen. Lass uns das richtig machen.

Das Grundprinzip: Alles hat seinen Platz

Die Base beim Backyard Ultra ist kein Lager das du einmal aufbaust und dann ignorierst. Es ist ein System das du jede Runde neu nutzt – unter wachsender Erschöpfung, schwindender Konzentration und vielleicht in kompletter Dunkelheit. Deshalb gilt eine eiserne Regel: Alles hat einen festen Platz und liegt immer an demselben Platz. Was du in Runde 3 problemlos findest, musst du in Runde 18 blind finden können.

Das bedeutet konkret: Keine Taschen die durchgewühlt werden müssen, keine Produkte die aufeinandergestapelt sind, keine Ausrüstung die irgendwo zwischen anderen Sachen versteckt liegt. Alles offen, alles sichtbar, alles greifbar.

Die Base aufbauen: Was du brauchst

Der Tisch oder die Kiste ist das Herzstück deiner Base. Viele Läufer nutzen eine Campingliege oder einen Klapptisch – beides funktioniert. Wichtig ist dass du sitzen oder liegen kannst ohne suchen zu müssen. Eine Sitzgelegenheit direkt daneben, eine Lichtquelle für die Nacht und ein kleines Dach oder Zelt wenn Regen möglich ist.

Ernährungsbereich: Alle Nahrungsmittel griffbereit, nach Phasen sortiert. Was du in den frühen Runden brauchst liegt vorne, was für die Nacht gedacht ist liegt hinten. Getränke in Behältern die du schnell nachfüllen kannst – kein Suchen nach Flaschenverschlüssen, kein Aufmachen von Verpackungen unter Zeitdruck.

Ausrüstungsbereich: Ersatzkleidung, Wechselschuhe, Socken, Stirnlampe, Blasenpflaster, Anti-Scheuer-Mittel – alles in einer Reihe, alles beschriftet wenn nötig. Was du nachts brauchst liegt oben.

Medizinbereich: Klein aber wichtig. Blasenpflaster, Kompeed, Schmerzmittel, Antazida, Salztabletten, Tape. Nichts suchen müssen wenn ein Problem auftaucht.

Schuhe und Füße: Die wichtigste Ausrüstungsentscheidung

Deine Füße sind beim Backyard Ultra dein wichtigstes Kapital. Nach 15 Stunden Laufen auf derselben Runde sind sie das was zwischen dir und dem Aufhören steht. Deshalb verdienen sie besondere Aufmerksamkeit.

Schuhe: Zwei Paar ist keine Übertreibung, es ist Pflicht. Gleiche Modelle wenn möglich, oder zumindest zwei bewährte Paare. Warum? Schuhe werden feucht – durch Schweiß, Tau, Regen. Ein feuchter Schuh nach 10 Stunden Laufen ist ein Blasenrezept. Das zweite Paar rettet dich. Wechsle spätestens nach 8–10 Runden oder sobald die Schuhe durchfeuchtet sind.

Socken: Mehrere Paar, Wechsel nach jeder größeren Schuhpause. Merinowolle oder spezielle Laufsocken die Blasen verhindern. Niemals dieselben Socken 24 Stunden durchlaufen – das ist einer der häufigsten und vermeidbarsten Fehler.

Blasenprophylaxe: Anti-Scheuer-Mittel vor dem Start an allen kritischen Stellen auftragen – Zehen, Ferse, Außenkante. Bei langen Rennen nochmals in der Pause auftragen wenn nötig. Und bei ersten Anzeichen einer Reizung sofort behandeln, nicht warten bis die Blase da ist.

Fußcheck: Alle 4–5 Runden die Füße kurz checken. Was jetzt klein aussieht kann in 3 Stunden ein ernstes Problem sein. Frühzeitig behandeln ist immer besser als notfallmäßig in Runde 18.

Kleidung: Schichten und Wechsel planen

Das Backyard Ultra fordert mehrere Klimazonen in einem Rennen – Morgen, Mittag, Hitze, Kühle, Nacht, wieder Morgen. Wer nur eine Kleidungsschicht hat, friert nachts oder schwitzt tagsüber unnötig. Schichten sind die Lösung.

Basis: Ein atmungsaktives Laufshirt das du kennst und das nicht scheuert. Anti-Scheuer-Mittel an Stellen die bekannt empfindlich sind.

Mittlere Schicht: Ein leichtes Langarmshirt oder eine dünne Laufjacke für die kühlen Morgenstunden und die Nacht. Leicht, komprimierbar, schnell an- und ausgezogen.

Regenschutz: Eine leichte Regenjacke gehört in jede Base – egal wie gut die Wettervorhersage ist. Ein Sommergewitter in der Nacht ohne Regenjacke ist kein Spaß.

Wechselklamotten: Mindestens ein komplettes zweites Outfit. Ein frisches Shirt in Runde 12 nach einem langen heißen Tag kann mental Wunder wirken.

Handschuhe und Mütze: Für die Nacht. Auch im Sommer können die Temperaturen nachts stark sinken, besonders wenn du schwitzt und stehenbleibst. Kleine Packgröße, große Wirkung.

Licht: Die Nacht vorbereiten

Die Stirnlampe ist beim Backyard Ultra mehr als nur ein Werkzeug – sie ist ein psychologisches Signal. Wenn die Lampe angeht, wechselt der Modus. Du bist jetzt im Nachtbetrieb.

Stirnlampe: Ein bewährtes Modell mit ausreichend Akkukapazität für die gesamte Nacht. Oder zwei Stirnlampen – eine als Hauptlampe, eine als Backup. Batterien oder Akkus vollgeladen, Ersatz in der Base.

Wichtig: Die Stirnlampe rechtzeitig anlegen – nicht warten bis es wirklich dunkel ist. Wer in der Dämmerung mit schlechter Sicht läuft, stolpert. Und ein Sturz in Runde 14 kann das Rennen beenden.

Licht an der Base: Eine kleine Campingleuchte oder Stirnlampe extra für die Base. Damit du in der Dämmerung und Nacht alles findest ohne die Lauflampe zu benutzen.

Was du auf der Strecke trägst

Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim Backyard Ultra: Was nimmst du mit auf die Runde, was bleibt in der Base?Die meisten Läufer tragen in den frühen Runden kaum etwas – vielleicht ein Gel in der Tasche, eine kleine Handtrinkflasche. Die Verpflegung wartet in der Base. Das ist beim Backyard anders als beim normalen Ultra wo du alles dabeihaben musst.

In den späten Runden und nachts ändert sich das. Eine kleine Softflask mit Elektrolytgetränk kann sinnvoll sein wenn das Rennen sehr heiß ist oder wenn du in der Nacht unsicher bist ob du die nächste Runde problemlos schaffst. Ein Gel als Notreserve in der Tasche gibt Sicherheit. Und eine Rettungsdecke in der Jackentasche ist keine Übertreibung bei langen Nachtphasen.

Pflichtausrüstung checken: Viele Backyard-Rennen haben eine Pflichtausrüstungsliste – Pfeife, Rettungsdecke, Handy. Kenne die Anforderungen deines Rennens und erfülle sie von Anfang an.

Die Pausenroutine: Der unterschätzte Erfolgsfaktor

Eine gut geübte Pausenroutine ist beim Backyard Ultra genauso wichtig wie das Laufen selbst. 8 Minuten können sich endlos anfühlen – oder sie können zu kurz sein wenn du nicht weißt was zu tun ist.

Eine gute Pausenroutine sieht so aus: Ankunft an der Base, Uhr checken, sofort essen und trinken beginnen, kurz hinsetzen, Schuhe und Füße checken wenn nötig, Kleidung anpassen, aufstehen wenn noch 2 Minuten bis zum Start sind, in Ruhe an die Startlinie gehen.

Was du nicht tun solltest: Lange Gespräche führen die dich ablenken, zu lange sitzen bis das Aufstehen schwerfällt, Dinge suchen die nicht an ihrem Platz sind. Die Routine muss sitzen – übe sie in deinen Simulationseinheiten bis sie automatisch abläuft.

Gerd’s Perspektive

Die Logistik ist der Teil der Vorbereitung den ich am meisten unterschätzt hätte wenn ich nicht intensiv darüber nachgedacht hätte. Beim normalen Ultra packe ich meine Weste und laufe los. Beim Backyard muss ich eine Base aufbauen die mich 24 Stunden oder länger versorgt – unter Bedingungen die ich nicht vollständig vorhersagen kann.

Was ich mir vorgenommen habe: Einen Klapptisch mit allem nach Phasen sortiert, zwei Paar Schuhe, mehrere Sockenwechsel und eine klare Routine für die Pause. Alles wird im Training geübt bevor es im Rennen zum Einsatz kommt. Und ich werde einen Freund bitten mir bei der Base zu helfen – nicht weil ich es nicht alleine schaffe, sondern weil eine zweite Person in der Nacht Gold wert ist.

Das Update kommt nach Ende Juni.

Checkliste: Die perfekte Backyard-Base

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Ernährung:

· Gels und Riegel für die frühen Runden (Ich liebe High5 Energie-Gels)
· Salzstangen, Cracker, Brezeln für die mittleren Runden
· Brühe im Thermobecher, Cola, Bananen für die späten Runden
· Wasser, Elektrolytgetränk, Kaffee oder Tee für die Nacht

Ausrüstung:

· Zwei Paar Laufschuhe (bewährt, eingelaufen) Ich laufe im Moment Hoka Speedgot 6 und Brooks Adrenaline GTS im Wechsel)
· Mehrere Paar Socken
· Anti-Scheuer-Mittel
· Blasenpflaster und Kompeed
· Tape und kleine Erste-Hilfe-Basics

Kleidung:

· Wechselshirt und komplettes zweites Outfit
· Leichte Laufjacke für die Nacht
· Regenjacke
· Handschuhe und Mütze
· Wechselsocken griffbereit

Licht und Technik:

· Stirnlampe mit vollem Akku, Ersatzakku oder Batterien (Mehr über Stirnlampen erfahrt ihr in meinem Beitrag „Stirnlampen Guide für Ultramarathon“)
· Backup-Stirnlampe
· Campingleuchte für die Base
· Handy geladen
· GPS-Uhr geladen

Komfort:

· Campingstuhl oder Liege
· Kleine Decke oder Wärmefolie für die Pausen
· Lichtquelle für die Base
· Wetterschutz wenn nötig

Key Takeaways

✓ Die Base ist dein wichtigstes Werkzeug – gut organisiert spart sie Zeit und verhindert Probleme
✓ Alles hat einen festen Platz – was du in Runde 3 findest musst du in Runde 18 blind finden
✓ Zwei Paar Schuhe sind Pflicht – feuchte Schuhe nach 10 Stunden sind ein Blasenrezept
✓ Sockenwechsel regelmäßig einplanen – niemals 24 Stunden dieselben Socken
✓ Schichten planen – Morgen, Hitze, Nacht brauchen unterschiedliche Kleidung
✓ Die Stirnlampe rechtzeitig anlegen – nicht warten bis es dunkel ist
✓ Die Pausenroutine üben bis sie sitzt – im Rennen läuft sie dann automatisch
✓ Fußcheck alle 4–5 Runden – kleine Probleme früh behandeln bevor sie groß werden
✓ Eine zweite Person an der Base ist Gold wert – besonders in der Nacht

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