Protein als Baustoff: Warum der Eiweißbedarf für Ausdauerläufer ab 50 massiv ansteigt

In der Laufwelt hält sich ein hartnäckiger Mythos: Ausdauersportler brauchen vor allem eines – Kohlenhydrate. Nudeln vor dem Wettkampf, Gels auf dem Trail und ein alkoholfreies Weizenbier danach. Protein? Das überlassen wir lieber den Leuten im Fitnessstudio.

Dieser Denkfehler kostet gerade Master-Athleten wertvolle Substanz. Denn je älter wir werden, desto wichtiger wird Eiweiß. Kohlenhydrate sind zwar dein Treibstoff auf dem Trail, aber Protein ist der Baustoff, der deinen Körper nach der Belastung wieder repariert. Und genau hier ändert sich ab 50 die biologische Gleichung massiv.

Die anabole Resistenz: Dein Körper wird schwerhöriger

Der Hauptgrund für deinen gestiegenen Proteinbedarf nennt sich „anabole Resistenz“. Vereinfacht gesagt: Dein Körper reagiert im Alter stumpfer auf den Baustoff Eiweiß.

Wenn ein 25-Jähriger nach dem Training 15 Gramm Protein isst, reicht das als Signal für seinen Körper aus, um die Muskelreparatur (Muskelproteinsynthese) auf Hochtouren zu starten. Wenn du mit über 50 dieselbe Menge isst, passiert… fast nichts. Der zelluläre Schalter wird schlichtweg nicht umgelegt. Um denselben muskelaufbauenden Effekt zu erzielen, brauchst du jetzt eine deutlich höhere Dosis von etwa 30 bis 40 Gramm hochwertigem Protein pro Mahlzeit.

Reparatur nach dem Downhill

Erinnerst du dich an die enormen Kräfte beim Bergablaufen aus der Säule über Krafttraining? Diese exzentrische Belastung verursacht unzählige Mikrorisse in deiner Muskulatur. Um diese Risse zu flicken und das Gewebe für den nächsten Lauf in den Bergen widerstandsfähiger zu machen, benötigt dein Organismus Aminosäuren – die kleinsten Bausteine der Proteine.

Bekommst du nicht genug davon, bedient sich der Körper an der eigenen Substanz. Du baust schleichend Muskelmasse ab, die Regeneration dauert unverhältnismäßig lange und die Verletzungsanfälligkeit für typische Läufer-Beschwerden steigt rasant.

Timing ist (fast) alles: Die gleichmäßige Verteilung

Ein typischer Fehler im Alltag vieler Läufer ist das „Protein-Loading“ am Abend. Zum Frühstück gibt es nur Marmeladentoast, mittags einen schnellen Salat und abends dann das große Steak oder einen Linseneintopf mit 60 Gramm Eiweiß.

Das Problem: Unser Körper kann Protein nicht auf Vorrat speichern, wie er es mit Kohlenhydraten (als Glykogen in den Muskeln) oder Fett tut. Was auf einmal zu viel ist, wird nicht für den späteren Muskelaufbau zurückgelegt. Um deine Muskeln optimal zu versorgen und den altersbedingten Abbau zu stoppen, musst du deinen Proteinbedarf gleichmäßig auf drei bis vier Mahlzeiten über den Tag verteilen.

Protein dein bewusster Baumeister

Du musst deine Kohlenhydrate nicht streichen – du brauchst sie weiterhin für die langen Einheiten im Gelände. Aber dein Fokus muss sich verschieben. Jede deiner Hauptmahlzeiten sollte fortan bewusst um eine hochwertige Proteinquelle herum aufgebaut sein.

Wer ab 50 seine Eiweißzufuhr drastisch nach oben schraubt und klug über den Tag verteilt, gibt seinem Körper genau das Werkzeug in die Hand, das er braucht, um die harten Reize auf dem Trail in echte, langanhaltende Leistungsfähigkeit umzuwandeln.

Mit der Ernährung haben wir nun die fünfte und letzte Säule durchlaufen. Du kennst jetzt alle grundlegenden Bausteine, die deinen Körper am Berg robust, ausdauernd und leistungsfähig halten. Das theoretische Fundament steht. Zurück zur Übersicht des Master-Systems – Entdecke jetzt alle vertiefenden Artikel zu den einzelnen Säulen

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